
Ursula Böhme macht auch mit 81 Jahren das Surfen im Internet noch Spaß. "Man will ja schließlich wissen, was die Jungen heute so treiben, wenn sie von Bits und Bytes sprechen". Foto: Brigitte Hefele-Beitlich
Memmingen (bhb). "Man braucht doch auch nichts von der Technik einer Mikrowelle zu verstehen, um damit kochen zu können", erklärt Dozentin Waltraud Hochrein das Konzept ihres Internet-Kurses für Frauen, die größtenteils noch nie mit der Tastatur eines Computers zu tun hatten. In einer Veranstaltung des Frauennetzwerks Memmingen und der Koordinierungsstelle Frau und Beruf hatten jetzt erstmals ausschließlich Seniorinnen Gelegenheit, sich mit diesem modernen Medium vertraut zu machen.
Zu Hause hat fast keine der 14 Teilnehmerinnen einen Computer, nur manche können maschineschreiben, "online" war jedenfalls noch nicht eine einzige. Aber "wir wollen doch nicht stehenbleiben, sondern die heutige technische Welt verstehen und damit umgehen können", formulierte eine Teilnehmerin ihre Beweggründe, sich zweimal zwei Stunden mit Informationen über Klicks und Links, Browser und Provider berieseln zu lassen.
"Ich hatte eigentlich damit gerechnet, daß die eine oder andere nach der ersten halben Stunde aufgibt, gesteht Dozentin Waltraud Hochrein, die den ersten Kurs mit dieser für sie neuen Zielgruppe zusammen mit ihrem Mann hält. Darüber wurde sie allerdings bald eines Besseren belehrt, sogar eine kleine Pause lehnen die lebhaften und äußerst interessierten Seniorinnen ab. Unklarheiten werden durch sofortiges Nachfragen beseitigt, jede macht sich eifrig Notizen, sogar ein kleiner Tip für die Nachbarin, die gerade nicht klarkommt, ist schon drin.
Am schwierigsten ist zunächst für fast alle der Umgang mit der Maus, aber da der Zugang ins Netz nur mit einem gekonnten Doppelklick erfolgen kann, wird eben so lange geübt, bis sich das Fenster in die w.w.w.-Welt öffnet. Schon nach kurzer Zeit wissen alle, wie man eine Homepage anwählt, was zu tun ist, um auf den Milliarden vorhandener Seiten genau die zu finden, auf der das steht, was man wissen möchte.
"Ich habe richtig Lust zu surfen", schwärmt Ursula Böhme, mit 81 Jahren älteste Teilnehmerin und "blutige Laiin" am Bildschirm, wie sie selbst sagt. Selbst zulegen möchte sie sich aber keinen Computer mehr. Deshalb fände sie es toll, wenn bei ihr im "Betreuten Wohnen" ein oder zwei Geräte zur allgemeinen Nutzung stehen würden. Auch bei einem Fortsetzungskurs wäre sie, wie die meisten anderen auch, sofort dabei.
Schließlich möchte man mitreden können, wenn die Enkel über Bits und Bytes fachsimpeln, sich gegenseitig nicht mehr schreiben oder anrufen, sondern "e-mailen". Alle haben einen Riesenspaß daran, im Internet zu blättern und Informationen über Kultur, Geschichte, Veranstaltungen, Gesundheit oder vieles andere zu suchen. Daß allerdings noch keine der Frauenzeitschriften, die man so gerne beim Arzt oder Friseur liest, im Netz ist, ist der einen oder anderen gleich aufgefallen.
aus der Memminger Zeitung, Di. 29. Juni 1999, Seite 23

Groß.es Interesse bei den Seniorinnen gab es am Internetkurs in der Lindenschule in Memmingen; Alle Plätze waren belegt. Foto: Betzler
aus dem Memminger Kurier, Mi. 30. Juni 1999, Seite 2